Jakob Kraft baut in einer Berliner Hinterhofgarage Bikes, die man nicht vergisst. Seine Spezialität: luftgekühlte Japaner der 70er, verwandelt in straffe, charaktervolle Cafe Racer. Wir haben ihn in seiner Werkstatt besucht.
Jakob, wie bist du zum Bikebau gekommen?
Ich habe mit 19 eine kaputte CB500 aus einer Garage gezogen — 80 Euro, kein TÜV, keine Hoffnung. Mein Vater hat mir beigebracht, wie man schweißt. Der Rest ist passiert. Ich war nie der Typ, der etwas kauft und fährt. Ich musste immer verstehen, wie etwas funktioniert — und dann fragen: Kann ich das besser machen? Schöner? Ehrlicher?
Was bedeutet "ehrlich" bei einem Custom Bike?
Ein ehrliches Bike versteckt nichts. Die Schweißnähte sind sichtbar — und gut. Das Kabel verläuft, wo es Sinn ergibt, nicht wo es versteckt werden kann. Wenn ich ein Teil modifiziere, dann sieht man die Entscheidung, aber man merkt auch, dass sie durchdacht war. Ich baue keine Showbikes für Messen. Ich baue Bikes, die gefahren werden.
“Ein Bike ohne Geschichte ist nur ein Fahrzeug. Mich interessiert die Geschichte — wo kommt die Maschine her, was hat der Kunde erlebt, was soll das Bike verkörpern.”
— Jakob Kraft
Erzähl uns vom Berlin Cafe No. 7 — deinem bislang bekanntesten Build.
Die Basis war eine Honda CB750 von 1972. Komplett eingerostet, mit einem gebrochenen Rahmen und einer Elektrik, die niemand mehr verstand. Achim, der Kunde, hatte das Bike von seinem Onkel geerbt. Es war nicht fahrbereit, aber es war geliebt. Das konnte ich spüren. Wir haben acht Monate daran gearbeitet — Rahmensanierung, komplett neuer Kabelbaum mit Motogadget, handgefertigter Aluminiumtank, Metzeler-Bereifung. Das Ergebnis ist ein Bike, das fährt, wie es aussieht: entschlossen.
Warum Berlin?
Berlin vergibt dir Fehler. Hier kannst du eine Werkstatt aufmachen, Risiken eingehen, eine eigene Handschrift entwickeln — ohne dass sofort jemand fragt, was das kostet und wann du Gewinn machst. Die Stadt hat eine Toleranz für Ernsthaftigkeit, auch wenn sie nicht sofort ökonomisch ist. Und es gibt eine Community, die echte Bikes schätzt. Nicht Instagram-Bikes. Echte Bikes.
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